Fieber

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Es wurde tausendmal gesagt, wir haben es gehört, gelesen und wissen es eigentlich: Fieber macht gesund.

Trotzdem geraten wir in Panik oder haben zumindest ein sehr mulmiges Gefühl, wenn unser Kind matt, müde und mit erhöhter Körpertemperatur auf dem Sofa liegt und wir feststellen: Das Kind hat Fieber.

Warum machen wir uns Sorgen wenn unser Kind fiebert?

Nach meiner Erfahrung, durch Gespräche mit vielen Eltern im Rahmen meiner Hausmittelworkshops, kann man hauptsächlich diese drei Gründe dafür nennen:

  1. Wir sind daran gewöhnt unsere Kinder quirlig, aufgeweckt und aktiv zu erleben. Ihre Lebenskraft ist unbändig. Verlangen sie freiwillig nach Ruhe und Rückzug schrillen unsere Alarmglocken!
  2. Jeder hat schon Geschichten gehört, von Verwandten und Bekannten die jemanden kennen, der jemanden kennt, der mal so hohes Fieber hatte, dass dies und jenes, schreckliches, passiert sei… Solcherlei Erzählungen tragen stark zur Verunsicherung von Eltern bei. Da können noch 1000 Artikel in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht werden die das Gegenteil sagen. Angesichts des kranken Kindes kramt unser beschützendes Mama-Hirn irgendwo im Hinterstübchen schlummernde Ängste hervor.
  3. Ein weiterer Grund für Ängste sind Berichte über Fieberkrämpfe von Eltern die sie entweder selber als Kind erlebt haben oder mit ihren Kindern erleben mussten. Der Anblick eines krampfenden Kindes ist erschütternd. Die Erzählungen darüber entsprechend drastisch. Daher gelingt es uns oftmals nicht, uns auf die natürlichen Vorgänge zu fokussieren, wir malen uns schreckliche Szenarien aus.

 

Was passiert eigentlich im Körper bei Fieber, und warum gehört es zum Kranksein einfach dazu?

Um sich gegen Viren oder Bakterien zu wehren, erzeugt der Körper eine höhere Temperatur indem er Botenstoffe freisetzt die signalisieren: Wir müssen uns wehren, jemand versucht uns krank zu machen!

Die höhere Körpertemperatur wiederum verbessert die Bekämpfung der Keime indem weiße Blutkörperchen aktiviert werden. Sie haben die Fähigkeit eingedrungene Erreger unschädlich zu machen.

Ein sehr ausgeklügeltes System also, das uns vor einer längeren Krankheit bewahren kann!

Was ist bei Kindern zu beachten?

Erwachsene fühlen sich bei erhöhter Körpertemperatur meist hundeelend, die begleitenden Kopfschmerzen, die Abgeschlagenheit macht uns sehr zu schaffen. Der Griff zu einer Tablette die uns rasch wieder „bürotauglich“ werden lässt, ist verlockend. Kinder tolerieren Fieber meist besser als die Großen. Und Genesung gelingt weitaus rascher, wenn wir vom Fieber geschwächt liegen bleiben, dem Körper Ruhe gönnen und uns schonen. Das spüren Kinder meist instinktiv.

Auch Erwachsene genesen rascher, wenn sie sich ein paar Tage Auszeit gönnen. Ohne Fieber oder bei Fieberunterdrückung, schleppen sich Erkältungen erfahrungsgemäß viel länger.

Was braucht mein Kind wenn es fiebert?

Das lässt sich anhand einer kleinen Liste gut darstellen:

  1. Ruhe: Zuwendung, Aufmerksamkeit und die liebevolle, durchgehende Betreuung und Beobachtung durch einen vertrauten Erwachsenen.
  2. Reizabschirmung: also kein grelles Licht, keine laute Musik, kein Spielplatz und kein Kindergarten.
  3. Ausreichend zu trinken: Nahrung wird meist abgelehnt, was für ein oder zwei Tage kein Problem darstellt, zum Trinken kannst du dein Kind aber immer wieder auffordern!
  4. Erfüllung von Wünschen: Dem Kind ist zu warm? Dann gib die Decke weg. Dein Kind verlangt nach Wärme? Du kuschelst, bringst eine zusätzliche Decke und sorgst auch sonst dafür, dass die kleine Patientin glücklich ist.
  5. Ernstnehmen von Veränderungen: Schmerzensäußerungen, Veränderungen des Zustandes, Apathie,…wenn du dein Kind aufmerksam begleitest erkennst du rasch ob die Situation sich verschlechtert. Dann halte Rücksprache mit eurer Kinderärztin.
  6. Optimismus: Sorgenvolle Gesichter und Stimmen wirken beängstigend auf dein Kind ein. Sanfte Erklärungen, darüber dass Fieber ein wunderbarer, ausgeklügelter Plan des Körpers ist, um rasch wieder gesund zu werden, wird dein Kind beruhigen. Erkläre was passiert. Deinem Kind und Dir. Siehe oben.

Wann soll ich zur Ärztin?

Wenn dein Kind jünger als ein Jahr ist empfiehlt es sich jedenfalls abzuklären woher das Fieber kommt, besonders bei jungen Säuglingen kann Fieber ein Anzeichen ernster Erkrankungen sein. Ältere Kinder tolerieren moderates Fieber meist gut, wenn aber Schmerzen, Nackensteife, Krämpfe oder starkes, lange andauerndes Erbrechen dazu kommen, das Fieber mehrere Tage anhält und sich nicht senken lässt, solltest du die Ursache abklären. Auch wenn du dich sehr unsicher fühlst, hilft es mit der Ärztin Rücksprache zu halten. Vielleicht könnt ihr vorab am Telefon abklären ob und wann du sie aufsuchen sollst. Denn Wartezimmer sind keine schönen Orte für fiebernde  Kinder.

Wann soll ich das Fieber senken?

DIE Frage die sich Eltern unweigerlich stellen. Heute raten vermehrt Kinderärzte dazu, Fieber bei Kindern über einem Jahr erst mal zu beobachten, zu durchleben. Natürlich unter Berücksichtigung der oben genannten Punkte. Denn nur so kann das kindliche Immunsystem lernen, kämpfen und wachsen.  Das Zauberwort ist: der ALLGEMEINZUSTAND. Den gilt es zu beobachten. Du kennst dein Kind am besten, vertrau darauf, dass du eine normale Erkältung mit Fieber von einer schweren Erkrankung unterscheiden kannst.

Fühlt dein Kind sich aber besonders schlecht oder hindern pochende Kopfschmerzen am Einschlafen, werden heute vermehrt physikalische Methoden zur Fiebersenkung empfohlen. Denn viele der handelsüblichen Medikamente zur Fiebersenkung werden wegen ihrer Nebenwirkungen skeptisch betrachtet.

Und hier kommen die Hausmittel ins Spiel

Kühle Anwendungen an den Extremitäten werden sein vielen Generationen als bewährtes Mittel verwendet, um das Wohlbefinden von Fiebernden zu steigern und die Körpertemperatur sanft zu beeinflussen.

Dabei ist, egal für welche der unten beschriebenen Anwendungen ihr euch entscheidet, ein Grundprinzip immer gleich:

Wir kühlen die Körperoberfläche an den Extremitäten, dadurch wird die  Durchblutung auf diese Region konzentriert, das Zentrum des Körpers sowie der Kopf können in der Folge zur Ruhe kommen, die Entspannung wird spürbar. Das Kind kann vielleicht auch einschlafen. Dann keinesfalls für Erneutes Fiebermessen aufwecken. Der Erfolg deiner „Behandlung“ ist auch so sichtbar!

Die bekanntesten Fiebersenker aus der Hausmittel-Schatzkiste

  • Die sanfteste Art die Körpertemperatur zu senken und den Kreislauf zu stärken ist die Waschung: schon im bei kleinen Kindern möglich, mit einem feuchten, handwarmen Waschhandschuh werden die Waden und evtl. die Unterarme des im Bett liegenden Kindes abgewaschen. Nicht abtrocken, danach wieder zudecken, ruhen.
  • Eine weitere Möglichkeit, auch bei kleinen Kindern -da nicht großflächig gekühlt wird- sind Pulswickel: Ein kühles, feuchtes Tuch wird um die Handgelenke gewickelt. Das Wasser sollte nur wenig Grad unter Körpertemperatur haben. Eine sehr sanfte kreislaufstärkende Anwendung, Dauer: bis zu 10 Minuten.
  • Eine bekanntere Anwendung sind Wadenwickel: feuchte, kühle Tücher werden um die Waden gelegt. Ebenfalls nur wenige Grad unter Körpertemperatur, niemals eisiges Wasser verwenden! Wadenwickel sind sehr effiziente Fiebersenker, dürfen aber nur bei warmen Füßen und Waden angewendet werden. Dauer: bis 10 Minuten. Zusätze wie Essig sind möglich, nicht notwendig, die Verdunstungskälte auf er Haut wird dadurch erhöht, viele Kinder finden den Geruch jedoch unangenehm.
  • Einfacher und schneller anzuwenden sind ‚Essigpatscherl‘ bzw. Wasserpatscherl: Ein Paar Socken oder Stutzen des Kindes werden in kühles Wasser (wenig Grad unter Fiebertemperatur) getaucht und ausgedrückt, danach dem Kind angezogen.  Dauer: bis 10 Minuten. Das Kind belibt bei allen Anwendungen im Bett, jede Anstrengung sollte vermieden werden.

Die Voraussetzung für alle fiebersenkenden Methoden

Der ganze Körper muss warm sein. Besonders Hände und Füße überprüfen, erst wenn auch diese warm sind, an das Senken des Fiebers denken. Denn Fieber verläuft in Phasen, während des Anstieges, wenn deinem Kind kalt ist und es nach Wärme verlangt, unabhängig von der gemessenen Temperatur, niemals senkende Maßnahmen, egal welcher Art, ergreifen!

Es sei hier nochmals erwähnt: Die Stimmung am Krankenbett ist für Kinder (und Erwachsene) sehr wichtig. Jede Aufregung und sorgenvolle Betrachtung sollte vermieden werden. Beruhige dein Kind, schenke ihm viel liebevolle Zuwendung und Geduld. Termine absagen, Handy ausschalten. Oma und Freunde aktivieren um Geschwisterkinder zu betreuen,… Extra Kuscheleinheiten und das Schlafen im Elternbett (solltet ihr nicht sowieso ein Familienbett haben) sind an Fiebertagen wichtig!

Eure Familientradition

…könnt ihr selbst bestimmen. Du entscheidest mit, wie dein Kind sich später an Krankheitstage erinnert und wie es als Erwachsener mit der eigenen Gesundheit umgeht. Wir Eltern sind so wichtige Vorbilder. Nimm auch du dir ein paar Tage Auszeit wenn du krank bist, du wirst sehen, die Bettruhe zahlt sich aus. Das Immunsystem kann ungestört arbeiten wenn wir uns Ruhe gönnen. So werden wir schnell wieder fit! Ich weiß aus eigener Erfahrung genau, dass Ruhe und Mama-Alltag sich eher ausschließen, aber manchmal müssen wir über unseren Schatten springen und um Hilfe bitten. Ich bin sicher es gibt eine gute Freundin die dir hilft, und  du kannst den Gefallen sicher bei passender  Gelegenheit erwidern. Denn Kranksein gehört zum Leben (leider) einfach dazu.

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